Mit meinen Brüdern Marcel und Stephan bin ich Gesellschafter und Geschäftsführer von Guliver.

Meine Aufgabenbereiche sind: Marktanalyse, Management unserer Vermögensbausteine und Auswahl unserer Empfehlungen, Öffentlichkeitsarbeit, Kundenberatung. Mein zeitaufwendigster Arbeitsbereich ist die Erforschung des Einflusses der Demografie (Alterstruktur) auf unser Leben und damit auch auf Wirtschaft, Finanzmärkte und Gesellschaft.

Guido Lingnau, Berlin

Montag, 19. Juli 2010

Nr. 120 Sorgen aus China

Laut unserem demografischen Modell wird China in diesem Jahr in eine Phase mit geringerem Wachstum, weniger Innovationen und Investitionen eintreten. Ähnlich wie die USA im Jahr 2001 oder Japan im Jahr 1990 steigen nun die Gefahren für das Platzen von Aktien- und Immobilienblasen deutlich an. Da die zur Verfügung stehenden demografischen Daten nicht sehr genau sind, könnte der Beginn dieser Entwicklung schon vor zwei Jahren, vielleicht aber auch erst in bis zu fünf Jahren erfolgen.

Sieht man sich die Realitäten an den Aktien- und Immobilienmärkten in China an, sieht es so aus, als hätte die Aktienblase bereits im Jahr 2008 ihren Höhepunkt erreicht. Die Beteiligung an der Erholung der weltweiten Aktienmärkte hat China im Juli letzten Jahres beendet. Die Kurse fallen nun schon fast ein Jahr unter recht hohen Schwankungen wieder.

An den Immobilienmärkten hat der Preisanstieg jedoch bis in  den April diesen Jahres mit extrem hohen Werten angehalten. Private Anleger haben nach den schlechten Erfahrungen mit Aktien in der Finanzmarktkrise zunehmend auf Eigentumswohnungen gesetzt. Auch Unternehmen und Behörden haben sich an dem Immobilienrausch stark beteiligt. Experten gehen davon aus, dass ein Großteil der Milliarden aus dem Konjunkturprogramm der chinesischen Regierung für Spekulationen im Immobilienmarkt verwendet wurde. Kommunen bestreiten inzwischen einen Großteil ihres Haushalts aus dem Verkauf von Bauland.

Die chinesische Regierung hat die Gefahren aus der Überhitzung der Immobilienmärkte und der daraus resultierenden Fehlleitung von Investitionskapital schon vor Monaten erkannt und ergreift immer drastischere Maßnahmen, um den Immobilienmarkt abzukühlen. Im April stiegen die Preise gegenüber dem Vorjahr um durchschnittlich 12,8%. Die Flächen im Neubau nahmen sogar um über 60% gegenüber dem Vorjahr zu! Die Maßnahmen der chinesischen Regierung könnten zu spät kommen und den Immobilienmarkt in dem Moment treffen, in dem er sich bereits im Fallen befindet.

Zahlreiche chinesische und ausländische Experten warnen seit einiger Zeit vor einem Einbruch am chinesischen Immobilienmarkt. Am 6. Juli hat sich nun einer zu Wort gemeldet, der derzeit wohl als bester Kenner von Finanzkrisen gilt, Kenneth Rogoff. Er sagte in einem Bloomberg-Interview, dass der Zusammenbruch des chinesischen Immobilienmarktes nun begonnen hat und der Kollaps zu massiven Problemen im Bankensystem führen wird.

Eine Woche später meldete die chinesische Statistikbehörde, dass die Immobilienpreise in China erstmals seit der Finanzmarktkrise im Juni nicht mehr gestiegen sind (-0,1%).  Die Nachfrage geht sogar deutlich zurück, während eine Rekordfläche sich derzeit im Bau befindet.

Ob es nun wirklich ernst wird  in China, steht jedoch noch nicht fest. Die chinesische Regierung könnte nochmals mit hunderten von Milliarden gegensteuern und das Problem damit ein weiteres Mal verschieben. Ich halte das aber für wenig wahrscheinlich. Wahrscheinlich werden die Preise erst einmal nur zögerlich zurückgehen, weil die Verkäufer der Eigentumswohnungen der Meinung sind, ihre Preisvorstellungen in naher Zukunft umsetzen zu können. Wenn dann aber die Preise weiter fallen und die Finanzierungskosten immer mehr drücken, dürfte es zum Einbruch kommen. Vielleicht wird die Regierung durch ein Verbot von Notverkäufen oder Zwangsversteigerungen versuchen, den Markt zu beruhigen. Dann aber käme es erst recht zum Einbruch der mächtigen Bauindustrie. Banken müssten genauso gerettet werden, wie wir es in den USA und Europa kürzlich gesehen haben.

Das würde dann auch einen Einbruch für den deutschen Export bedeuten. Besonders hart träfe es aber die japanische Volkswirtschaft, die derzeit besonderrs stark vom Export nach China abhängig ist.

Bericht zu unseren Vermögensbausteinen Guliver Sicherheit und Guliver Wachstum

In den ersten beiden Juli-Wochen gab es eine recht starke Rallye an den Aktienmärkten. Grund dafür war vor allem die Hoffnung auf sehr hohe Gewinnsteigerungen in den Unternehmensberichten zum ersten Halbjahr. Als die ersten Berichte aber teilweise auf den zweiten Blick enttäuschten und die Konjunkturdaten aus den USA weiter nachließen, kam es am letzten Freitag zu Kursverlusten, die den gesamten Gewinn der zweiten Juli-Woche wieder kosteten.

An den Anleihemärkten ist es recht ruhig. Staatsanleihen aus Frankreich und Spanien gehörten zu den Gewinnern, deutsche Bundesanleihen gaben leicht nach.

Der Euro konnte nach erfolgreichen Platzierungen von spanischen und griechischen Schuldenpapieren und schlechten US-Daten wieder Boden gutmachen und stieg kurzzeitig auf über 1.30 Dollar je Euro. Auch gegenüber anderen Währungen konnte der Euro zulegen. Die daraus folgenden Kursrückgänge der ausländischen Währungen in unseren Vermögensbausteinen waren dann auch für das leichte Minus in der ersten Juli-Hälfte verantwortlich.

Im Juli habe ich bei unseren Vermögensbausteinen nur eine Veränderung vorgenommen: Wie angekündigt habe ich den Kursrückgang beim Gold genutzt und den Anteil im Guliver Sicherheit auf jetzt ca. 5% aufgestockt.

Zum Download stehen die Fact-Sheets für den Guliver Sicherheit und den Guliver Wachstum (30.06.2010) und der letzte AnlegerBrief zur Verfügung.

Montag, 19. Juli 2010

AnlegerBrief Juli 2010

Die Online-Ausgabe des AnlegerBriefs steht Ihnen mit dem anschließenden Link als PDF-Datei zur Verfügung. Inhalte der Juli-Ausgabe:

- Goldbarren und -münzen bei Guliver günstig kaufen

- Näheres zur Ausschüttung 2010

- Bericht zu den Finanzmärkten und zu unseren vermögensverwaltenden Fonds im Mai/Juni

- Unser wahrscheinlichstes Szenario für die kommenden zwölf Monate

Hier klicken für PDF-Datei AnlageBrief