Mit meinen Brüdern Marcel und Stephan bin ich Gesellschafter und Geschäftsführer von Guliver.

Meine Aufgabenbereiche sind: Marktanalyse, Management unserer Vermögensbausteine und Auswahl unserer Empfehlungen, Öffentlichkeitsarbeit, Kundenberatung. Mein zeitaufwendigster Arbeitsbereich ist die Erforschung des Einflusses der Demografie (Alterstruktur) auf unser Leben und damit auch auf Wirtschaft, Finanzmärkte und Gesellschaft.

Guido Lingnau, Berlin

Mittwoch, 23. Juni 2010

Ausschüttungen per 22. Juni 2010

Die Ausschüttungen für das Geschäftsjahr 2009/2010 werden in diesem Jahr am Dienstag, 22. Juni vorgenommen. Der Guliver Sicherheit schüttet 2,98 Euro je Anteil, der Guliver Wachstum 0,44 Euro je Anteil aus. Dadurch verringert sich der Anteilspreis unserer Vermögensbausteine entsprechend. Die Ausschüttungen werden, wenn nicht anders vereinbart, in Form neuer Fondsanteile Ihrem Depot gutgeschrieben.

Mittwoch, 2. Juni 2010

Nr. 119: Hohe Gewinne mit neuer Strategie

Guliver Vermögensbausteine mit ihrem bisher besten Monat

Dank der neuen Anlagestrategie, die auf demografische Langfristtrends setzt, konnten der Guliver Sicherheit und der Guliver Wachstum im Mai ihren – relativ zum Markt – besten Monat seit Auflage abschließen. Wie vermutet steigt die Nachfrage nach langfristig sicheren Anlagen. Und da derzeit beide Vermögensbausteine ihren Schwerpunkt auf als sehr sicher geltende Staatsanleihen legen, konnten zusätzlich zu den Zinseinnahmen recht gute Kursgewinne verbucht werden.

Nachdem schon in den letzten Monaten Euro-Staatsanleihen vor allem aus Deutschland mit Laufzeiten von bis zu zehn Jahren sehr gut liefen, begann Mitte April langsam und Anfang Mai dann immer schneller der Kursanstieg der sehr langlaufenden Anleihen. Hier lagen die Renditen für deutsche Bundesanleihen im April noch bei fast 4% für Laufzeiten ab 17 Jahren.

Die Erwartungen vieler Anleger an die Rendite ihrer Anlagen sind zuletzt immer weiter zurückgegangen. Wer seit Monaten für seine Tages- oder Festgelder nur noch Minizinsen von um die 1% erhält, für den sind 3 bis 4% sehr viel. Von der ängstlich erwarteten Inflation ist derweil auch noch nichts zu sehen. Und daher werden sichere Staatsanleihen mit immer längeren Laufzeiten gekauft.

Durch die steigende Nachfrage fallen jetzt auch die Zinsen für die Langläufer. Für eine 30 Jahre laufende Bundesanleihe sind es jetzt nur noch 3,3%. Ich erwarte in den kommenden Jahren sogar einen weiteren Rückgang auf unter 2%. Das würde bedeuten, dass die Kurse nochmals um die 20% zulegen würden.

Wer Angst vor Inflation oder einer immer weiter ausufernden Staatsverschuldung hat, kauft immer häufiger Gold. Somit stieg der Goldkurs im Mai auf neue Allzeithochs. Durch den zunehmen schwachen Euro konnten wir auch mit unseren Fremdwährungsanleihen zusätzliche Kursgewinne erzielen.

Und was tut sich bei den Aktien? Der sehr starke Anstieg der Aktienkurse seit März letzten Jahres ist erst einmal zum Stillstand gekommen. Zwar steigen die Gewinne der Unternehmen insgesamt weiter an, doch könnten die immer höheren Erwartungen demnächst enttäuscht werden. Nach dem Auslaufen vieler Konjunkturpakete wollen immer mehr große Staaten mit dem Sparen anfangen. In China versucht die Regierung mit immer drastischeren Mitteln die Immobilienblase zu bekämpfen. Aktien verlieren einen Teil ihrer Attraktivität auch durch das als hoch empfundene Risiko.

Der Guliver Sicherheit liegt nun 2010 per Ende Mai in seiner Vergleichsgruppe (Morningstar) unter den besten 1% der Vergleichsgruppe, der Guliver Wachstum unter den besten 3%.

Wertentwicklung (Mai / 2010)
Guliver Sicherheit: +3,81% / +7,83%
Guliver Wachstum: +4,16% / +9,39%

Alterung der Bevölkerung in Schweden und Finnland

Es gibt immer wieder neue Entdeckungen bei meinen demografischen Untersuchungen. Bisher bin ich davon ausgegangen, dass Japan die als erstes alternde Volkswirtschaft ist. Bei Nachforschungen im Zusammenhang mit den Problemen beim Euro kam dann die Überraschung: Finnlands Babyboomer sind bereits ein Jahr vor Japan, nämlich schon 1989 mehrheitlich über 40 Jahre alt gewesen. Das war erst einmal ein kleiner Schock. Denn Finnland galt bei mir eigentlich mit Nokia als eines der innovativsten Länder in den 90er Jahren, was meiner Theorie der abnehmenden Innovationskraft in alternden Gesellschaften widersprach. Und wo ich dann schon einmal bei Finnland war, habe ich mir dann auch noch das Nachbarland Schweden näher angesehen. Dort gab es den Übergang zwischen Phase 2 (Aufschwung, Innovation) zu Phase 3 (Übersparen, Wohlstandsbewahrung und Ruhestandsvorbereitung) der demografischen Welle sogar schon 1986! Auch Schweden galt bei mir eigentlich eher als junges Land in Europa. Hatte ich hier die ersten Beispiele dafür, dass meine demografische Theorie nicht immer gilt? Denn sowohl in Finnland als auch in Schweden sind die Staatsfinanzen – im Gegensatz zu Japan – relativ in Ordnung. Deflation gibt es auch nicht. Die Aktienmärkte haben sich nicht so schlecht entwickelt wie in Japan.
Erst einmal gab es die große Krise in diesen beiden Ländern beim Übergang von Phase 2 zu Phase 3 tatsächlich. Anfang der 90er Jahre hatten Schweden und Finnland in Westeuropa die höchsten Haushaltsdefizite. 1991 bis 1993 sank das BIP drei Jahre in Folge. Besonders in Schweden, aber auch in Finnland war eine gewaltige Blase an den Immobilienmärkten geplatzt. In der Folge mussten viele Banken vom Staat gerettet werden. Problemkredite wurden in sogenannten Bad Banks (schlechte Banken) ausgelagert. Im September 1992 erreichte die schwedische Krise ihren Höhepunkt. Der Staat gab eine generelle Garantie auf alle Bankguthaben ab. Die schwedische Krone war im freien Fall. Die schwedische Notenbank musste die Zinsen auf 500% erhöhen, um die Währung zu stützen. Das sogenannte Schwedische Modell war scheinbar gescheitert. In Finnland war durch den Einbruch der Exporte in die ehemalige Sowjetunion zusätzlich betroffen.

Anders als in Japan hat man in Schweden und Finnland in dieser Krise in erster Linie auf eine Festigung des Staates gesetzt. Die Einkommenssteuern und Verbrauchssteuern wurden erhöht und Sozialausgabe gekürzt, um das Staatsdefizit in den Griff zu bekommen. Ein Einbruch des Konsums wurde dabei bewusst in Kauf genommen. Etwa zeitgleich mit dem Beitritt zur EU im Jahr 1995 besserte sich die Situation. Das Vertrauen der Menschen in den Sozialstaat wurde gestärkt und damit der Zwang sich selbst durch erhöhtes Sparen abzusichern abgemildert. Die Abwertung der Währungen und eine Reduzierung der Unternehmenssteuern brachten eine Stabilisierung der Exportindustrie. In Schweden stieg die Erwerbstätigkeit der Frauen auf über 80%. Durch Einwanderung und dem Ausbau der Kinderbetreuung wurde die jüngere Generation gestärkt. Neben der Ordnung der Staatsfinanzen und der Stärkung der Exportindustrie hat man auch auf Forschung und ein hervorragendes Bildungssystem gesetzt. Die Studienanfängerquoten sind in Finnland und Schweden nach Neuseeland weltweit am höchsten.