Mit meinen Brüdern Marcel und Stephan bin ich Gesellschafter und Geschäftsführer von Guliver.

Meine Aufgabenbereiche sind: Marktanalyse, Management unserer Vermögensbausteine und Auswahl unserer Empfehlungen, Öffentlichkeitsarbeit, Kundenberatung. Mein zeitaufwendigster Arbeitsbereich ist die Erforschung des Einflusses der Demografie (Alterstruktur) auf unser Leben und damit auch auf Wirtschaft, Finanzmärkte und Gesellschaft.

Guido Lingnau, Berlin

Mittwoch, 28. April 2010

Nr. 117: Hält der Euro?

Die Schuldenprobleme Griechenlands halten die Finanzmärkte weiter in Atem. Auch unsere Kunden sind teilweise sehr verunsichert und befürchten, dass ihre Ersparnisse in Gefahr geraten könnten. Einige der an uns in den letzten Tagen gerichteten Fragen möchte ich an dieser Stelle gern beantworten:

Werden die anderen Euro-Staaten Griechenland finanziell unterstützen? Wird Griechenland die dafür geforderten Einsparungen vornehmen?

Hierauf gibt es leider (noch) keine Antwort. Die Investoren halten es aber zunehmend für möglich, dass Griechenlands Schulden nicht vollständig getilgt werden. Es ist kaum noch jemand bereit, selbst zu extrem hohen Zinsen von über 20% Griechenland neue Kredite zu geben. In Presse und Rundfunk kommen immer mehr Politiker und Ökonomen zu Wort, die gegen eine finanzielle Unterstützung sprechen. Aber wie gesagt, die Verhandlungen laufen. Ein Ergebnis ist derzeit nicht erkennbar. Ich halte eine vorübergehende Rettung Griechenlands jedoch für wahrscheinlich. Man muss aber auch bedenken, dass bei einer Unterstützung der Euro-Staaten für Griechenland, auch Portugal, Italien oder Irland, die selbst enorme Probleme haben, Kredite an Griechenland vergeben müssten. Was macht das für einen Sinn? Diese Länder könnten dann noch weiter unter Druck geraten und wären dadurch zusätzlich gefährdet.

Könnte Griechenland aus dem Euro-System freiwillig oder unfreiwillig ausscheiden?

Eine Möglichkeit ist, dass Griechenland selbst seinen Austritt aus dem Euro erklärt. Die neue Drachme würde nach Schätzung von Experten ca. 40% gegenüber dem Euro abwerten. Damit könnte die griechische Wirtschaft wieder an Wettberbsfähigkeit zulegen. Die jetzt bereits am Markt vorhandenen Staatsanleihen würden dann aber weiter auf Euro lauten. Daher müsste in einem solchen Fall eine Abwertung der Schulden ebenfalls erfolgen. Das ist auch der Grund, warum die Zinsen für griechische Anleihen derzeit so stark steigen bzw. die Kurse der Anleihen in den Keller rauschen. So wird die vor einigen Wochen neu herausgegebene Staatsanleihe (Laufzeit zehn Jahre, Zins:  6,25%) heute nur noch mit 70% des Ausgabe- und Rücknahmepreises gehandelt. Der “Markt” nimmt also schon eine ca. 30%ige Abwertung der Schulden vorweg. Auf der anderen Seite sind deutsche Bundesanleihen und Staatsanleihen anderer als sicher geltender Staaten (z.B. Niederlande oder Frankreich) in den letzten Tagen im Kurs gestiegen. Davon haben unsere Vermögensbausteine Guliver Wachstum und Guliver Sicherheit profitiert. Beide konnten in den letzten Tagen im Kurs zulegen.

Ist der Euro insgesamt in Gefahr?

Das kann ich mir nicht vorstellen. Selbst wenn Griechenland und Portugal ausscheiden sollten, macht der Euro für Staaten wie Deutschland, die Niederlande, Frankreich und Italien durchaus Sinn. Kommt es trotzdem zu einem Ende des Euro, würden vor allem Staatsanleihen von sicheren Staaten davon profitieren. Deshalb habe ich Anfang diesen Jahres auch deutsche Staatsanleihen zugekauft und andere Anleihen deutlich reduziert bzw. ganz verkauft. Aus heutiger Sicht würde ich sagen, unsere Kunden würden von einem Ende des Euro sogar profitieren.

Könnten auch deutsche Staatsanleihen abgewertet werden oder sogar ausfallen?

Nein. Dafür müssten sich ganz furchtbare Dinge ereignen. Im Moment und wohl auch noch mindestens in den  kommenden 20 Jahren dürfte die Nachfage nach deutschen Staatsanleihen (Bundesanleihen, Bundesobligationen) weiter höher sein als das Angebot. Ich rechne mit weiter steigenden Kursen und sinkenden Zinsen. Diese Entwicklung wird natürlich unter Schwankungen verlaufen. Der Grundtrend unterstützt aber aus meiner Sicht eindeutig die Entwicklung von deutschen Staatsanleihen.

Banken sollen viele griechische Schulden besitzen. Droht eine neue Bankenkrise?

Der Hauptgrund, warum sich wahrscheinlich auch Deutschland an einer Rettung Griechenlands beteiligen könnte, liegt genau in dieser Problematik. Nicht nur die Bundesregierung steht derzeit vor einem Dilemma. Einerseit kann sie nicht schon wieder Milliarden für die Bankenrettung ausgeben. Andererseits kommt es beim deutschen Wahlvolk auch nicht gut an, wenn man Griechenland  Jahr für Jahr ein paar Milliarden überweist (und dann noch nach Portugal usw.). Zu Beginn der Finanzmarktkrise konnte niemand sagen, welche der großen Investmentbanken überleben würde und welche nicht. Das ist diesmal mit den Schuldenstaaten in Europa genaus wenig möglich. Leider.

Wie soll man jetzt sein Geld anlegen?

Mit unserem Guliver Sicherheit setze ich derzeit fast komplett auf Staatsanleihen sicherer Länder. Auch der Dollar dürfte von einer zunehmenden Euro-Krise weiter profitieren. Daher kann man einen Teil auch in US-Anleihen stecken. Ich halte die USA weiter für einen der sichersten Schuldner weltweit. Bankanlagen in Deutschland sind zwar nicht so sicher wie deutsche Staatsanleihen, aber dürften in den kommenden Jahren wahrscheinlich nicht abwerten.

Man sollte sich bei der Geldanlage aber nicht einseitig auf Staatspleiten konzentrieren. Wie schon oben beschrieben, halte ich derzeit nur Griechenland (eventuell auch Portugal) für problematisch. Sollte sich das griechische Problem durch eine Garantie der anderen Euro-Staaten erledigen, dürften sichere Staatsanleihen zumindest einen Teil der Gewinne wieder abgeben. Daher rate ich auch zu einer Beimischung von Anleihen aus Schwellenländern mit hohem Zinssatz. Mein Favorit bleibt hier Südafrika, Brasilien und die Türkei. Aktien halte ich mittelfristig für eher problematisch.

Montag, 26. April 2010

Guliver in den Medien

Mit der ‘Welt am Sonntag’  (25. April) hat eine der auflagenstärksten Zeitungen (Druckauflage rund 530.000) über unsere besondere Strategie auf Basis der Demografie berichtet. Zudem ist der Artikel online erschienen: Hier klicken

In der ‘Welt online’ und der ‘Berliner Morgenpost online’ hat der Redakteur Daniel Eckert das Thema am 28. April (30. April, Berliner Morgenpost) auch noch einmal im Zusammenhang mit der Euro-Krise behandelt: Hier klicken


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