Mit meinen Brüdern Marcel und Stephan bin ich Gesellschafter und Geschäftsführer von Guliver.
Meine Aufgabenbereiche sind: Marktanalyse, Management unserer Vermögensbausteine und Auswahl unserer Empfehlungen, Öffentlichkeitsarbeit, Kundenberatung. Mein zeitaufwendigster Arbeitsbereich ist die Erforschung des Einflusses der Demografie (Alterstruktur) auf unser Leben und damit auch auf Wirtschaft, Finanzmärkte und Gesellschaft.
Guido Lingnau,
Berlin
Samstag, 14. November 2009
Die Schuldenprobleme Japans nehmen rasant zu. Jetzt steht wieder eine Rating-Abstufung im Raum. Grund hierfür ist die wachsende Staatsverschuldung. Für dieses Fiskaljahr werden wohl erstmals mehr neue Schulden aufgenommen, als insgesamt an Steuern eingenommen werden!
Japans Gesellschaft altert schon länger als die anderen westlichen Länder. Der letzte große Geburtenboom lag in den Jahren 1947 bis 49. In Westeuropa und den USA war der Höherpunkt der Geburtenzahlen zwischen 1960 und 65. Japan hat inzwischen seit 20 Jahren mit den negativen Folgen des Geburtenrückgangs zu kämpfen. Die Regierung versucht immer wieder mit Konjunkturprogrammen und Steuererleichterungen die Wirtschaft anzukurbeln. Das kann aber nicht gelingen, wenn die Mehrheit der Bevölkerung für den Ruhestand spart. Inzwischen hat Japan eine Verschuldung von ca. 200% seiner jährlichen Wirtschaftsleistung (BIP). Die Zinslast ist enorm. Trotz sehr niedriger Zinsen müssen fast 50% der Steuereinnahmen für den Schuldendienst aufgewendet werden.
Die Zeit der niedrigen Zinsen könnte, so die Befürchtung, bald vorbei gehen. In diesem Jahr hat der Trend scheinbar gedreht. Damit wird ein Staatsbankrott in Japan immer wahrscheinlicher. Wir beobachten die Situation. Japanische Anleihen gehören schon länger nicht mehr zu unseren Investments in den Vermögensbausteinen. Von einem japanischen Zusammenbruch wir wohl vor allem der Goldpreis profitieren.
In der letzten Woche ging es an den Finanzmärkten eher ruhig zu. Es gab kaum Kursveränderungen. Unsere Vermögensbausteine Guliver Sicherheit und Guliver Wachstum konnten leicht zulegen.
Montag, 9. November 2009
Am letzten Freitag gab es den monatlichen Arbeitslosenbericht in den USA. Das Ergebnis: 10,2% Arbeitslosigkeit. Das gab es seit 25 Jahren nicht mehr. Erwartet wurden “nur” 9,9%. Die Aktienmärkte gingen kurz auf Talfahrt, um dann schnell wieder auf neue Tageshochs zu steigen. Beim Dow Jones Index ging es bis zu 0,8% an die Jahreshöchststände heran. Der Tenor: Hohe Arbeitslosigkeit ist in dieser Phase normal. Das gab es auch früher schon.
Eine zweite Besonderheit war in der letzten Woche zu beobachten: Nachdem die drei wichtigsten Notenbanken die Zinsen unverändert gelassen hatten und überraschend ankündigten, dass sie wegen einer noch anfälligen Wirtschaft diese niedrigen Zinsen noch lange beigehalten werden, kam es zu Kursverlusten bei langlaufenden Anleihen. Grund hierfür: Die Angst vor einer hohen Inflation.
Beide scheinbar nicht normalen Reaktionen der Finanzmärkte passen aber ganz gut in unser “Weltbild”. Kaum einer der alten erfahrenen Investoren fühlt sich derzeit so richtig wohl. Sie spüren, dass diesmal Vieles anders sein wird, können das Neue aber noch nicht genau fassen. Diesen Denkprozess mussten Anleger, große und kleine, in den 90er Jahren auch in Japan durchlaufen. Die Wirtschaft hat nicht wieder Fuß gefasst. Inflation ist bis heute nicht erkennbar (und steht doch schon vor der Tür…).
Beim Guliver Sicherheit konnten in der letzten Woche die Gewinne beim Gold und bei den ausländischen Währungen die Verluste bei den Anleihen wieder ausgleichen. So bleibt ein Mini-Mini-Plus von 0,1%.
Der Guliver Wachstum, der besonders auf langlaufende Staatsanleihen stetzt, musste 0,45% abgeben, bleibt seit Jahresanfang aber mit 15,55% im Plus (DAX: +14,10%).
Montag, 2. November 2009
Die letzte Woche war nichts für schwache Nerven. Das Tauziehen zwischen immer besserer Konjunktur und immer schlechterer Stimmung bei den Verbrauchern prägt derzeit die Börsen. Da in den USA für viele Banken und Investmentfonds das Geschäftsjahr im Oktober zu Ende geht, kam zusätzliche Unruhe hinzu. Die Börsianer sind einerseits erfreut über die guten Zahlen von den Unternehmen. Ich kann mich nicht erinnern, dass es schon einmal so viele positive Überraschungen gab. Auf der anderen Seite sind diese guten Zahlen überwiegend durch Entlassungen von Mitarbeitern zustande gekommen. Und diese jetzt arbeitslosen Menschen sorgen dafür, dass die Kaufkraft schwindet und sich das dann wohl in Kürze auch wieder negativ auf die Unternehmen auswirkt. Gleichzeitig wird der Konkurrenzdruck aus den Schwellenländern immer größer.
Eigentlich ist diese Situation für das Ende einer Rezession typisch. Die Arbeitslosenzahlen steigen meist noch einige Zeit an, ohne dass es zum Abbruch der Erholung kommt. Es bestehen aber berechtigte Zweifel, ob es nach einer so starken Rezession wieder so abläuft. Ich glaube, dass die kommenden Jahre eher negativ an der Aktienmärkten laufen werden und wir dann mit unserer Strategie punkten können.
Der Oktober war in praktisch allen Anlageklassen ein nicht so guter Monat. Guliver Sicherheit und Guliver Wachstum erreichten am 9. Oktober neue Jahreshöchststände. Danach ging es bei den Anleihekursen bergab. Beim Guliver Sicherheit musste die Südafrika-Anleihe inzwischen alle Kursgewinne wieder abgeben. Allein dadurch wurde der Guliver Sicherheit um 1,2% belastet. Die deutliche Kurserholung bei Anleihen und der Kurssturz bei Aktien vom letzten Freitag wird in unseren Vermögensbausteinen erst heute bzw. morgen sichtbar.
Die niedrigen Anleihekurse habe ich am letzten Dienstag genutzt, um die durch Neuanlagen und Zinsen gestiegenen Summen auf den Tagesgeldern neu zu investieren.
Für den Guliver Sicherheit habe ich eine niederländische Staatsanleihe mit Laufzeit bis 2028 und einer Rendite von 4,1% gekauft. Für den Guliver Wachstum wurde ein bereits vorhandener Renten-ETF aufgestockt. Beide Neuanlagen sind inzwischen deutlich im Plus.
Die Zahlen (Woche / Monat / 2009):
Guliver Sicherheit: +0,18% / -1,27% / +8,77%
Guliver Wachstum: -0,23% / -1,25% / +16,07%
Der DAX kommt nach den Verlusten in der letzten Woche in diesem Jahr nur noch auf ein Plus von 12,58%, der MSCI World gewann bisher 13,35%.